![]() Invicta, diesen kleinen britischen Sportwagenhersteller gab es schon einmal von 1925 bis 1950. Bis zum Exitus hatte er sich permanent am Rande einer Pleite bewegt. Ein halbes Jahrhundert später kamen drei Sportwagen-begeisterte Herren von der Insel auf die Idee, diese Marke wieder aufleben zu lassen und bauten in Chippenham/Wiltshire 2002 den ersten Prototyp, den Invicta S1-320. Die dreistellige Zahl hinter dem Kürzel S1 steht für die Motorleistung, in diesem Falle 320 PS. Diesem V8 mit 4,6 Litern folgte 2004 ein 600 PS starkes 5-Liter-Triebwerk von Ford´s Special Vehicle Team ( SVT ) in den USA. Wie bei allen SVT-Motoren üblich, haben sich die Techniker, die das Triebwerk von Hand zusammengebaut haben, auf einer Plakette verewigt. In anderer Form verewigte sich der blinde Barclays-Bank-Manager Mike Newman. Um auf die globale Bewegung „Right to Sight“ aufmerksam zu machen, suchte er ein geeignetes Vehikel. Da man bei Invicta ebenfalls PR brauchte, bestieg Newman in einer kalifornischen Einöde den S1-600 und durfte Gas geben, immer geradeaus bis zum Erreichen von 200 mph, also 322 km/h.
Abgesehen von diesem PR-Gag besitzt der kraftstrotzende S1-600 innere Werte, die sich unter dem gewöhnungsbedürftigem Äußeren – übrigens ganz aus Carbon – verbergen. Die leichte, ungemein stabile Karosserie ruht auf einem Spaceframe-Chassis mit Überrollkäfig aus solidem Stahl. Weitere Merkmale: Niedriger Schwerpunkt und weit hinter der Vorderachse angeordneter Frontmotor. Der 100-Liter-Tank mit zwei Einfüllstutzen liegt quer über der Hinterachse. Somit konnte die Gewichtsverteilung der Achslasten exakt 50 : 50 Prozent ausbalanciert werden. Nur 1380 Kilo bringt der Invicta auf die Waage und beschleunigt entsprechend schnell auf Tempo 100: in 3,8 Sekunden. Das Fahrverhalten resultiert aus einem Kompromiss zwischen Sportlichkeit und der für einen Grand Tourer erforderlichen Komforteinstellung. Konventionell ist das manuell zu schaltende 6-Gang-Getriebe ausgelegt. Renntauglichkeit muss den AP-Bremsen ( Acht-Kolben vorn, Vier-Kolben hinten ) bescheinigt werden. Die 19-Zoll-Leichtmetallräder, in Italien nach Invicta-Design gefertigt, sind mit 255er-Reifen vorn und 275er-Pneus hinten bestückt.
An Bord wird man vergeblich nach dem für so manchen Briten typischen Purismus fahnden. Ob beheizbare und elektrisch verstellbare Recaro-Ledersitze, Klimaanlage, Radio mit CD-Player und Sound-System oder Satelliten-Navigation mit Display in der Leder-eingefassten Aluminium-Mittelkonsole, das Interieur des Invicta S1-600 verdient das Prädikat „edel“. Die Geräumigkeit des S1 überrascht ebenfalls: Auch Körpergrößen jenseits von 1,90 Metern stoßen in Kopf- und Beinraum nicht an ihre Grenzen. Mit einem Basispreis von 127.660 britischen Pfund, ohne VAT-Steuer direkt ab Werk, dürfte die Zahl potentieller Kunden freilich sehr begrenzt ausfallen.
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